2. Juni 2026

Neue rechnerische Nutzungsdauer bei Immobilien: Die Auswirkungen auf den Preis im Interview mit Oliver Woschek

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Warum erleben viele Eigentümer aktuell, dass ihre Immobilie anders bewertet wird als noch vor wenigen Jahren?

Viele Eigentümer orientieren sich noch an Verkäufen aus den Jahren 2020 oder 2021. Damals war die Nachfrage enorm, die Zinsen niedrig und die Preise entsprechend hoch. Inzwischen hat sich das Marktumfeld deutlich verändert. Das betrifft nicht nur Großstädte, sondern auch unsere Region – vom Kasseler Umland bis in beliebte Orte wie Melsungen, Guxhagen oder Fritzlar. Dadurch sind heutige Bewertungen oft nicht mehr direkt mit früheren Verkaufspreisen vergleichbar.

Welche Rolle spielen die neuen Bewertungsregeln dabei konkret?

Mit der Reform der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) 2021 haben sich unter anderem die angesetzten Nutzungsdauern von Gebäuden verändert. Das wirkt sich vor allem im Ertragswertverfahren aus. Vereinfacht gesagt: Erträge, die weiter in der Zukunft liegen, werden heute niedriger bewertet. Das kann dazu führen, dass Immobilien rechnerisch etwas geringer bewertet werden als noch vor einigen Jahren.

Und was bedeutet das für Selbstnutzer von Immobilien?

Hier wird die Sachwertmethode zur Wertermittlung herangezogen. Prinzipiell geht es also darum, dass so getan wird, als würde man am heutigen Tage das betreffende Grundstück erwerben und dann zu heutigen Baukosten die selbst bewohnte Immobilie dort aufbauen. Anschließend folgen Wertkorrekturen anhand der noch verbleibenden Restnutzungsdauer. Durch die angesprochene Verlängerung der angenommenen Gesamtnutzungsdauer einer Immobilie von 70 auf 80 Jahre verlängerte sich folgerichtig auch die Restnutzungsdauer und die Werte erhöhten sich rechnerisch zunächst. Das Ergebnis wird dann durch den Sachwertfaktor korrigiert, der vom Gutachterausschuss anhand von tatsächlichen Kaufpreisen zur Verfügung gestellt wird und den echten Marktwert ergibt.

Welche Auswirkungen hat das auf den Kaufpreis einer Immobilie?

Der Immobilienmarkt reagiert immer zeitverzögert. Während Gutachter die neuen Vorgaben relativ schnell umsetzen konnten, spiegeln sich Veränderungen erst nach und nach in den tatsächlichen Kaufpreisen wider. Diese Kaufpreise beziehen sich demnach auf das jeweilige Vorjahr und sind wiederum die Grundlage für eine Bewertung. Deshalb wird der Effekt für viele Eigentümer jetzt erst richtig sichtbar.

Wie hat sich der Markt im Kasseler Umland konkret entwickelt?

Gerade im sogenannten Speckgürtel rund um Kassel sehen wir eine differenzierte Entwicklung. Gute Lagen und gepflegte Immobilien bleiben weiterhin gefragt. Gleichzeitig achten Käufer heute deutlich stärker auf Preis und Qualität als noch vor wenigen Jahren. In kleineren Städten und Gemeinden wie Melsungen, Guxhagen oder Fritzlar zeigt sich, dass realistische Preisansätze entscheidend für einen erfolgreichen Verkauf sind.

Bedeutet das, dass Immobilien grundsätzlich an Wert verloren haben?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Es handelt sich oft um eine Kombination aus veränderten Bewertungsmodellen und einem normalisierten Marktumfeld. Während die starken Preissprünge der Vergangenheit nicht mehr in dieser Form vorhanden sind, bleiben Immobilien in guten Lagen weiterhin wertstabil. Im Schwalm-Eder-Kreis sind die Preise für Ein- bis Zweifamilienhäuser im Jahr 2025 nur um knapp 1 % gesunken. Entscheidend für einen guten Verkaufserfolg sind Lage, Zustand und eine marktgerechte Einordnung.

Wie sollten Eigentümer mit dieser Situation umgehen, wenn sie einen Verkauf planen?

Eigentümer sollten sich nicht an alten Vergleichswerten orientieren, sondern auf eine aktuelle und fundierte Wertermittlung setzen. Gerade in der jetzigen Marktphase zeigt sich, wie wichtig auch eine realistische Preisstrategie ist. Wer von Anfang an richtig positioniert, erzielt in der Regel bessere Ergebnisse als mit zu hohen Einstiegspreisen und späteren Korrekturen.

Was ist Ihr Rat an Eigentümer, die jetzt verunsichert sind?

Verunsicherung ist verständlich, gerade wenn man unterschiedliche Aussagen hört. Wichtig ist, sich ein klares und objektives Bild vom aktuellen Markt zu machen. Eine professionelle Bewertung schafft Transparenz und hilft, die richtige Entscheidung zu treffen – egal ob es um Verkauf, Vermietung oder die langfristige Planung geht. Im ersten Schritt lohnt sich ein kostenloses Gespräch mit den Experten. Terminvereinbarung unter 05681-999 3333.