24. August 2026
Der Wohnungsbau schwächelt. Was bedeutet das aktuell für den Immobilienmarkt?
Der Markt bleibt angespannt, weil zu wenig neuer Wohnraum entsteht. Zwar haben sich einzelne Stimmungsindikatoren im Wohnungsbau zuletzt leicht verbessert, und auch die Baugenehmigungen legten von Januar bis Mai 2026 um 15,4 Prozent auf 104.700 Wohnungen zu. Entscheidend ist aber: Für 2026 werden nur rund 185.000 fertiggestellte Wohnungen erwartet – ein 15-Jahrestief. Gleichzeitig schätzen Experten, dass bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen.
Warum wird trotz des hohen Bedarfs weiterhin so wenig gebaut?
Viele Projekte rechnen sich unter den aktuellen Bedingungen nur schwer. Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, gleichzeitig sind Finanzierungen teurer geworden. Das führt dazu, dass Projekte verschoben, neu kalkuliert oder gar nicht erst umgesetzt werden.
Welche Rolle spielen dabei die Bauzinsen?
Eine sehr große. Sie haben sich zuletzt bei rund 4 Prozent eingependelt. Für viele Haushalte ist das im Vergleich zu den sehr günstigen Vorjahren ein deutlicher Einschnitt. Hinzu kommt die Unsicherheit: Rund 50 Prozent der Experten rechnen bis Jahresende mit steigenden Zinsen, etwa ein Drittel mit einer Seitwärtsbewegung.
Was bedeutet das konkret für Käufer?
Schon kleine Zinsanstiege wirken sich stark aus. Bei einer Finanzierung von 500.000 Euro führt ein Plus von 0,1 Prozentpunkten zu rund 40 Euro Mehrbelastung im Monat. Steigt der Zins um einen Prozentpunkt, sinkt der Finanzierungsspielraum je nach Modell schnell um rund 75.000 Euro.
Müssten die Kaufpreise dann nicht eigentlich sinken?
Nicht zwingend. Bei Neubauten setzen die hohen Baukosten eine Untergrenze. Bei Bestandsimmobilien kommen oft noch Investitionen für Modernisierung und energetische Sanierung hinzu. Deshalb sehen wir keinen automatischen Preisrückgang.
Gibt es bereits Hinweise auf wieder festere Preise?
Ja. Die Preise für Bestandshäuser liegen nach den vorliegenden Marktdaten rund 1,79 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig wird berichtet, dass Angebotspreise für Altbau und Neubau wieder zulegen und die Verhandlungsspielräume für Käufer kleiner werden. Das zeigt: In guten Lagen und bei attraktiven Objekten stabilisiert sich der Markt. In unserer heimischen Region Kassel und Schwalm-Eder werden aktuell klassische Einfamilienhäuser im Bestandsegment in der Preisklasse von 250.000 – 500.000 EUR gesucht.
Welche Folgen haben die Preis- und Zinssteigerungen für den Mietmarkt?
Viele Menschen verschieben den Kauf und weichen zunächst auf Mietwohnungen aus. Da gleichzeitig zu wenig neu gebaut wird, steigt der Druck auf dem Mietmarkt weiter. Einige Interessenten fürchten in der schwächelnden Wirtschaftslage eine Job- und Wohnortveränderung in den nächsten Jahren und wollen sich nicht auf einen Standort festlegen. Die Folge sind steigende Mieten.
Können steigende Mieten sogar wieder Kaufpreise stützen?
Ja. Höhere Mieten machen Wohnimmobilien für Kapitalanleger wieder interessanter. Dadurch entsteht zusätzliche Nachfrage, die Preise in einzelnen Segmenten stabilisieren oder sogar steigen lassen kann.
Was ist Ihr Fazit?
Wer auf deutlich fallende Kaufpreise in der Breite hofft, dürfte eher enttäuscht werden. Die strukturelle Wohnraumknappheit, hohe Baukosten und der Druck auf dem Mietmarkt sprechen eher für einen Markt, der differenziert, aber insgesamt stabil bleibt.
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